Der Paternkofel-Klettersteig verbindet eine kurze, historische Stollenpassage mit einer aussichtsreichen Gipfelbegehung über den Drei Zinnen. Wer die Tour plant, braucht vor allem klare Antworten: Wie schwierig ist sie wirklich, wie läuft der Zustieg, welche Ausrüstung ist Pflicht und wann ist das Zeitfenster sinnvoll? Genau darauf gehe ich hier ein, mit Blick auf die Praxis am Berg und ohne schöne Worte, die vor Ort nicht tragen.
Die wichtigsten Eckdaten für die Tour
- Charakter: Historischer Kriegssteig mit Tunnelpassagen, Felsbändern und großem Panorama.
- Schwierigkeit: Meist B/C; technisch machbar, aber mit Exposition und Konzentrationsbedarf.
- Zeitbedarf: Für die klassische Runde solltest du je nach Variante rund 4 bis 6 Stunden einplanen.
- Ausrüstung: Helm, Klettersteigset, Gurt und eine Stirnlampe sind hier Standard.
- Bedingungen: Meist im Sommer sinnvoll; früh im Jahr können Schnee und Eis in den Stollen zum Problem werden.
- Logistik: Start an der Auronzohütte, sehr beliebter Ausgangspunkt, deshalb früh anreisen.

Was den Steig am Paternkofel besonders macht
Der Paternkofel-Klettersteig ist mehr als nur ein Gipfelanstieg. Der erste Teil führt durch Kriegsstollen, die heute eher geschichtliche Bühne als reine Zustiegsroute sind, danach folgen gesicherte Felsbänder mit sehr direktem Blick auf die Nordwände der Drei Zinnen. Genau diese Mischung macht den Reiz aus: sportlich überschaubar, atmosphärisch stark und landschaftlich so markant, dass man den Tag noch lange im Kopf behält.
Ich sehe den Steig am Paternkofel deshalb als Tour mit zwei Gesichtern: unten Geschichte und Dunkelheit, oben Luft, Weite und Kanten. Der eigentliche Name der Route verweist auf De Luca und Innerkofler, im Alltag bleibt aber meist der Berg selbst im Mittelpunkt. Das ist keine Tour, die sich nur über ihre Schwierigkeit verkauft, sondern über ihren Charakter.
Wer die Faszination verstanden hat, braucht als Nächstes die nüchternen Zahlen für die Planung. Genau die kommen jetzt.
Die wichtigsten Daten für die Planung
| Aspekt | Realistische Orientierung | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|
| Gipfelhöhe | ca. 2.744 m | Auf dieser Höhe kann das Wetter schnell umschlagen. |
| Schwierigkeit | meist B/C, stellenweise leichter | Technisch kein Monster, aber mit deutlicher Exposition. |
| Reiner Klettersteigteil | ca. 1:30 bis 3:00 h | Tempo, Stau und Kondition ändern das Ergebnis spürbar. |
| Gesamtzeit | ca. 4:15 bis 6:00 h | Mit Zustieg und Abstieg wird daraus ein ganzer Bergtag. |
| Höhenmeter | ca. 525 bis 770 Hm Aufstieg | Je nach gewählter Variante unterscheiden sich die Zahlen deutlich. |
| Zustieg | rund 50 bis 75 Minuten | Der Start ist bequem, aber nicht nebensächlich. |
| Bester Zeitraum | meist Juni bis September | Schnee und Eis in den Stollen sind der häufigste Störfaktor. |
Ich würde mich bei dieser Tour eher an der oberen Zeitspanne orientieren. Der Steig selbst ist nicht lang, aber die Kombination aus Höhenlage, Zustieg und möglichem Andrang kostet mehr Minuten, als viele vorab vermuten. Damit ist der Rahmen klar; jetzt geht es um den tatsächlichen Ablauf am Berg.
So verläuft die klassische Begehung
Der Zustieg über Auronzohütte und Drei-Zinnen-Hütte
Startpunkt ist meist die Auronzohütte. Von dort geht es über den breiten Weg Richtung Paternsattel und weiter zur Drei-Zinnen-Hütte. Das ist zunächst keine Kletterei, sondern ein alpiner Zustieg, bei dem du schon viel Kulisse mitnimmst und dich nicht in falscher Sicherheit wiegen solltest. Gerade bei Hitze spürt man hier bereits, ob das Tempo passt.
Am Ende des Zustiegs nähert man sich dem markanten Einstieg bei der Galleria Paterna. Wer möchte, findet noch vor dem eigentlichen Klettersteig einen einfachen Ausstieg zurück auf Weg 101. Das ist praktisch zu wissen, wenn Wetter oder Tagesform plötzlich kippen.
Die Stollenpassage als prägender Teil
Der markanteste Abschnitt ist die Galleria Paterna. Sie ist dunkel, teils eng und an kühlen Tagen deutlich kälter als der Zustieg draußen. Eine Stirnlampe spart hier nicht nur Nerven, sondern ist schlicht Pflicht. Früh in der Saison können Schnee- und Eisreste in den Stollen liegen; dann wird aus einer spannenden Passage schnell ein echter Abbruchgrund.
Gerade dieser Tunnelteil gibt der Tour ihre besondere Atmosphäre. Man geht nicht einfach eine Wand hoch, sondern bewegt sich durch einen alten Kriegspfad, der Geschichte sichtbar macht. Das ist eindrucksvoll, aber eben auch etwas, das man mit Respekt und klarer Planung angehen sollte.
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Gamsscharte, Gipfel und Abstieg
Nach dem Stollen folgt der eigentliche Klettersteig mit gesicherten Passagen, kurzen Steilstufen und exponierten Bändern. An der Gamsscharte trennt sich dann oft die Spreu vom Weizen: Wer trittsicher und ruhig bleibt, nimmt den Gipfel mit; wer bei exponierten Stellen unsicher wird, sollte den Abstieg nicht als Nebensache behandeln. Für die Rückkehr bieten sich je nach Kondition der direkte Abstieg oder die landschaftlich schönere Verlängerung über den Schartenweg an.
So entsteht aus einem technisch überschaubaren Klettersteig ein alpiner Tagesausflug mit klarer Dramaturgie. Genau deshalb lohnt sich ein realistischer Blick auf die Anforderungen.
Schwierigkeit und Anforderungen realistisch eingeschätzt
Ich würde die Route nicht in die Einsteiger-Schublade stecken. Je nach Topo wird sie als B/C beschrieben, manche Übersichten wirken etwas milder, weil der Steig gut versichert ist. In der Praxis zählen aber nicht nur Haken und Stahlseile, sondern auch Ausgesetztheit, Konzentration und die Fähigkeit, nach einer dunklen Tunnelpassage sofort wieder sauber im Fels zu stehen.
- Gut geeignet ist die Route, wenn du bereits mehrere Klettersteige der Stufen B oder B/C gelaufen bist.
- Passend ist sie auch, wenn du mit Exposition umgehen kannst und in wechselndem Gelände ruhig bleibst.
- Weniger passend ist sie, wenn du deine erste Via Ferrata planst oder bei Höhenluft schnell hektisch wirst.
- Vorsicht ist geboten, wenn du mit schwerem Rucksack, Restmüdigkeit oder nassem Fels unterwegs bist.
Mit Bergführer lässt sich die Tour anders angehen, für manche ambitionierte Einsteiger kann das sinnvoll sein. Allein als allererster Selbstversuch würde ich sie aber nicht planen. Die Route lebt von ruhiger Bewegung, nicht von Kraft, und genau das wird am Ende oft unterschätzt.
Wenn der Anspruch klar ist, wird auch die Ausrüstung sofort wichtiger. Hier sollte nichts fehlen, aber eben auch nichts unnötig schwer werden.
Welche Ausrüstung ich hier wirklich mitnehme
Die Standardliste ist kurz, aber hier sollte nichts fehlen. Ich packe für den Paternkofel nicht übertrieben viel ein, sondern gezielt das, was in Tunnel, Wetterumschwung und bei langer Konzentration hilft.
- Helm: Pflicht wegen Steinschlagrisiko und der engen Stollenpassagen.
- Klettergurt und Klettersteigset mit Bandfalldämpfer: Das ist die Kernkombination für die Sicherung am Drahtseil.
- Stirnlampe: Im Stollen brauchst du echte Lichtreserve, nicht nur das Display des Handys.
- Feste Bergschuhe: Eine griffige Sohle und guter Halt sind auf Geröll, Bändern und im Abstieg Gold wert.
- Handschuhe: Dünne Klettersteighandschuhe schützen vor Drahtseil und Kälte.
- Wasser und Snacks: 1,5 bis 2 Liter Wasser sind ein guter Ausgangspunkt, an heißen Tagen eher mehr.
- Leichte Wetterschicht: Eine winddichte Jacke spart auf 2.700 Metern schnell Energie.
Ein 20- bis 30-Liter-Rucksack reicht normalerweise völlig aus. Schweres Gepäck macht auf dieser Tour keinen Sinn, weil du an den exponierten Stellen nur unnötig träge wirst. Damit ist die Ausrüstung gesetzt, jetzt bleibt die Frage nach dem besten Zeitfenster.
Wann die Tour Sinn ergibt und wann nicht
Für mich ist die beste Zeit klar der stabile Sommer. Zwischen Juni und September sind die Chancen am höchsten, dass die Stollen trocken, die Felsbänder griffig und die Abende lang genug für eine entspannte Rückkehr sind. Sobald sich Schneereste in den Stollen halten oder am Nachmittag Gewitter aufziehen, würde ich nicht mehr stur an der Tour festhalten.
Am Paternkofel spielt das Wetter eine größere Rolle, als viele erwarten. Ein dunkler Tunnel, nasser Fels und kalter Wind auf exponierten Bändern sind keine gute Mischung. Deshalb plane ich bei dieser Route immer mit einem frühen Start, nicht mit einem gemütlichen Vormittagsausflug. An sehr beliebten Tagen kommen noch Wartezeiten dazu, besonders an Engstellen und in der Nähe der Gamsscharte.
Auch die Anreise gehört zur Tourentscheidung: Wer mit dem Auto kommt, muss die mautpflichtige Straße zur Auronzohütte einrechnen; wer lieber flexibel bleibt, nutzt im Sommer den Shuttle ab Toblach. Für mich ist das kein Nebenthema, sondern Teil der eigentlichen Tourlogistik. Wer das sauber plant, steht später nicht schon vor dem Einstieg unter Zeitdruck.
Wenn du dir bei Wetter oder Logistik unsicher bist, hilft oft ein flexibler Plan mit Ausweichoptionen. Das macht aus einem starren Gipfelziel einen vernünftig geführten Bergtag.
Rund um die Drei Zinnen lässt sich die Tour gut erweitern
Der große Vorteil dieser Gegend ist, dass der Tag nicht am Gipfel enden muss. Wer noch Reserven hat, hängt den Schartenweg an und baut daraus eine deutlich längere, landschaftlich sehr schöne Runde. Das ist kein Pflichtprogramm, aber es verändert den Charakter der Tour: weniger direkt, dafür abwechslungsreicher und oft eindrücklicher.
| Variante | Charakter | Für wen ich sie wählen würde |
|---|---|---|
| Direkter Rückweg | Kürzer, alpiner, klarer Fokus auf den Steig | Wenn du den Tag kompakt halten willst oder die Bedingungen nur mittelgut sind |
| Schartenweg | Länger, aussichtsreich, mit mehr Gehgelände und Querungen | Wenn du Kondition hast und den Rundtour-Charakter suchst |
| Übernachtung an der Drei-Zinnen-Hütte | Entspannter Start, weniger Stress im Zeitfenster | Wenn du den Andrang vermeiden oder die Gegend intensiver erleben willst |
Ich mag an dieser Gegend, dass sie keine Einheitslösung erzwingt. Du kannst den Tag sportlich kurz halten oder bewusst verlängern, ohne den roten Faden zu verlieren: historische Route, Dolomitenpanorama und eine klare alpine Linie. Genau deshalb bleibt die Tour auch nach vielen Beschreibungen noch attraktiv.
Drei Entscheidungen, die die Tour entspannter machen
Vor dem Start prüfe ich beim Paternkofel immer drei Dinge: das Wetterfenster, die Lichtreserve und die eigene Tagesform. Klingt simpel, entscheidet aber oft darüber, ob die Tour ruhig oder hektisch wird. Besonders die Stirnlampe wird unterschätzt, obwohl sie in den Stollen den Unterschied zwischen Orientierung und Stress ausmacht.
Außerdem würde ich nicht mit der Erwartung hineingehen, eine gemütliche Panorama-Wanderung zu machen. Die Route ist kurz genug, um machbar zu wirken, und genau das verleitet manche dazu, sie zu leicht einzuschätzen. In Wirklichkeit lebt sie von sauberer Bewegung, Aufmerksamkeit und dem Respekt vor Höhe und Exposition. Wer das mitbringt, bekommt eine Tour, die sportlich bleibt und dennoch gut lesbar ist.
Mein Fazit für die Praxis ist deshalb nüchtern: gut vorbereitet, früh gestartet und bei stabilem Wetter ist der Steig am Paternkofel eine sehr starke Dolomitenrunde. Unterschätzt, spät angegangen oder bei grenzwertigen Bedingungen verliert er dagegen schnell seinen Reiz. Genau diese ehrliche Einordnung macht den Unterschied zwischen einem guten und einem zähen Bergtag.
