Die Tour an der Tajakante ist ein alpiner Klettersteig für alle, die nicht nur ein bisschen Felskontakt, sondern einen echten Bergtag suchen. Sie verbindet eine luftige Gratlinie, klare Aussicht auf Seebensee und Drachensee sowie einen langen Abstieg zu einer Route, die Kondition, Ruhe und saubere Selbsteinschätzung verlangt. In diesem Artikel geht es deshalb um den konkreten Verlauf, die Anforderungen, die richtige Ausrüstung und darum, wie ich die Tour in der Praxis planen würde.
Die wichtigsten Fakten zur Tour auf einen Blick
- Schwierigkeit: D/E, mit einzelnen ernsthaften Passagen und sehr luftigen Stellen.
- Kletterstrecke: rund 600 Meter am Fels, mit etwa 600 Höhenmetern im Steig.
- Gesamtzeit: meist 8 bis 10 Stunden für den kompletten Bergtag.
- Zustieg: ab Talstation der Ehrwalder Almbahn etwa 3 Stunden, mit Bergbahn spürbar kürzer.
- Saison: typischerweise von Mai oder Juni bis Oktober, abhängig von Schnee und Wetter.
- Wichtig: kein Notausstieg, daher nur mit guter Form und stabiler Wetterlage sinnvoll.
Warum die Tajakante mehr als nur ein Grat ist
Ich ordne die Tajakante klar als alpine Anspruchstour ein, nicht als klassischen Feierabend-Klettersteig. Der Reiz liegt gerade darin, dass die Route fast konsequent an der Kante bleibt und dabei sehr verschiedene Charaktere kombiniert: kurze Gehpassagen, steile Aufschwünge, luftige Querungen und immer wieder Abschnitte, in denen man sauber und effizient arbeiten muss. Wer gute Ferrata-Erfahrung mitbringt, bekommt dafür einen Tag, der sportlich fordernd ist und landschaftlich kaum Wünsche offenlässt.
Besonders stark ist aus meiner Sicht die Balance aus Ernst und Aussicht. Die Tour ist nicht einfach nur schwer, sondern sinnvoll angelegt: Man kann die Linie lesen, Tritte setzen, kurz durchatmen und dann wieder in den nächsten Abschnitt einsteigen. Genau das macht sie reizvoll, aber auch tückisch, wenn man ihre Länge unterschätzt. Und damit ist man schon bei der Frage, wie man überhaupt am besten zum Einstieg kommt.

So kommst du hin und wie der Zustieg sinnvoll wird
Der praktische Ausgangspunkt liegt bei der Talstation der Ehrwalder Almbahn in Ehrwald. Von dort führt der Zustieg zunächst über Wanderwege in Richtung Seebensee und Coburger Hütte. Wer die Tour sportlich komplett gehen will, plant den gesamten Zustieg zu Fuß ein; wer Reserven sparen möchte, nimmt die Bergbahn und verkürzt den Tag deutlich. In vielen Fällen macht genau das den Unterschied zwischen einem zähen Pflichtprogramm und einer sauberen, genussfähigen Bergtour.
Ich würde den Zustieg nie als bloße Formalität behandeln. Der Weg über den Hohen Gang und weiter zum Seebensee ist bereits alpin, teilweise versichert und bei Nässe heikel. Dazu kommt, dass der See und das Hüttenumfeld optisch so beeindruckend sind, dass viele Leute dort zu früh in den Ausflugsmodus wechseln. Genau das sollte man vermeiden: Die Kraft braucht man für den Klettersteig selbst, nicht schon für ein zu lockeres Tempo am Zustieg.
| Variante | Was sie bringt | Meine Einschätzung |
|---|---|---|
| Zu Fuß ab Talstation | Kompletter Bergtag mit vollem Höhengewinn | Nur sinnvoll, wenn Kondition wirklich solide ist |
| Mit der Ehrwalder Almbahn | Spürbar kürzerer Zustieg und mehr Reserve für den Steig | Für die meisten die vernünftigere Wahl |
| Übernachtung auf der Hütte | Entschärft den Zeitdruck und macht das Wetterfenster größer | Sehr attraktiv, wenn man nicht hetzen will |
Wenn der Zustieg sitzt, wirkt die eigentliche Route deutlich klarer. Und genau dort zeigt sich, ob die Tajakante zu den eigenen Fähigkeiten passt oder nicht.
So verläuft die Route am Fels
Die Klettersteiglinie folgt dem Grat sehr konsequent, was sie einerseits elegant, andererseits psychologisch fordernd macht. Man ist selten in einer anonymen Wand unterwegs, sondern steht fast immer in einer Situation, in der der Blick weit ins Gelände reicht. Das klingt romantisch, verlangt aber Konzentration, weil man auf dieser Linie nicht einfach „irgendwo hinläuft“, sondern sich mit jedem Meter aktiv durch den Fels bewegt.
Der erste Gratabschnitt
Im unteren Teil geht es mit mehreren luftigen Stellen und steileren Passagen los. Hier ist die Route meist noch im Bereich von C unterwegs, aber die Exponiertheit ist schon präsent. Ich finde diesen Abschnitt wichtig, weil er den Rhythmus vorgibt: Wer hier zu hektisch wird, kommt später unnötig unter Druck. Besser ist ein ruhiges Tempo mit sauberem Umhängen und kontrollierten Schritten.
Der mittlere Kraftteil
Der mittlere Abschnitt zieht spürbar an. Hier kommen die Stellen, an denen der Kraftaufwand deutlich steigt, teils auch kurze Aufschwünge im D- bis D/E-Bereich. Gerade an diesen Passagen merkt man, ob Arme, Rumpf und Beine als Team arbeiten. Wer nur am Stahl zieht, verliert schneller Energie, als einem lieb ist. Ich halte deshalb kurze, bewusste Pausen für klüger als ein dauerhaftes „Durchziehen“.
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Das Gipfelstück und der Blick nach oben
Gegen Ende wird die Linie wieder etwas freundlicher, bleibt aber exponiert. Vom letzten Gratstück aus ist der Gipfel des Vorderen Tajakopfs bereits greifbar, und genau dort bekommt man noch einmal den schönsten Eindruck davon, wie konsequent die Route an der Kante gebaut ist. Der Ausblick ist dann nicht bloß Kulisse, sondern Belohnung für einen langen, konzentrierten Weg. Wer dort oben steht, versteht schnell, warum die Tour so einen Ruf hat.
Mit diesem Bild im Kopf lohnt sich als Nächstes die nüchterne Frage, für wen die Tour wirklich geeignet ist und wo ich persönlich die Grenze ziehen würde.
Für wen die Tour passt und für wen nicht
Ich würde die Tajakante nur jemandem empfehlen, der schwierige Klettersteige bereits sicher gegangen ist und nicht erst am Objekt lernen will, wie man mit Exposition umgeht. Die Route ist lang, ausgesetzt und verlangt eine gute Mischung aus Kraft, Ausdauer und Ruhe. Dass sie technisch nicht durchgehend brutal wirkt, ist eher eine Falle als ein Vorteil: Genau die Wechsel zwischen leichteren und schweren Abschnitten kosten Energie, wenn man das Tempo falsch einteilt.
| Gut geeignet für | Eher nicht geeignet für |
|---|---|
| Erfahrene Ferratisten mit D/E-Erfahrung | Einsteiger am Klettersteig |
| Bergsteiger mit guter Kondition für einen langen Tag | Menschen, die schnell zu Arm- oder Höhenproblemen neigen |
| Tourengeher, die mit Exposition ruhig umgehen | Familienausflug mit Kindern |
| Alpinisten, die auch den Abstieg noch sauber beherrschen | Alle, die nur die Kletterpassage betrachten und den Rest ignorieren |
Für Kinder ist der Steig nach den aktuellen Toureninformationen nicht geeignet, und auch für mich ist das ein klares Signal: Diese Route verlangt mehr als Begeisterung. Wer sich hier ehrlich einschätzt, spart sich Frust, Risiko und oft auch einen sehr langen Rettungsweg. Deshalb gehört im nächsten Schritt die Ausrüstung und das Wetterfenster auf den Prüfstand.
Ausrüstung, Wetter und die Fehler, die ich dort nicht machen würde
Für die Tajakante reicht keine „irgendwie passende“ Bergausrüstung. Ich würde komplette Klettersteigausrüstung mit Helm, Klettergurt und Fangstoßdämpfer einplanen, dazu feste Bergschuhe mit guter Sohle und Handschuhe. Gerade bei längeren Passagen macht es einen spürbaren Unterschied, ob man das Stahlseil sauber greifen kann oder nicht. Zusätzlich gehören ausreichend Wasser, Energieriegel oder ein leichtes Brot, Sonnenschutz und eine dünne Zusatzschicht in den Rucksack.
- Helm: unverzichtbar wegen Steinschlag und bei Gruppenverkehr.
- Klettersteigset: Standard, nicht optional.
- Feste Bergschuhe: der Abstieg ist alpiner als viele erwarten.
- Handschuhe: schützen bei langen Passagen am Stahlseil.
- Genug Trinken: für diese Tour eher 1,5 bis 2 Liter als zu wenig.
- Wetterschutz: Gewitter, Nebel und Restschnee verschärfen die Lage sofort.
Die drei Fehler, die ich dort am ehesten vermeide, sind banal und deshalb so gefährlich: zu spät starten, Wetter zu locker einschätzen und den langen Abstieg unterschätzen. Gerade der letzte Punkt ist wichtig, weil man oben am Gipfel oft das Gefühl hat, die Tour sei jetzt quasi erledigt. Das ist sie nicht. Wer müde in den Abstieg geht, macht dort genau die Fehler, die man oben noch vermeiden konnte.
Weil die Route keinen Notausstieg hat, ist ein ehrlicher Blick auf Wind, Gewitterneigung und Schneereste Pflicht. Ich würde niemals einfach loslaufen, nur weil der Himmel am Talparkplatz noch freundlich aussieht. Wenn der Zeitplan knapp ist oder die Gruppe unsicher wirkt, ist ein anderer Steig die bessere Entscheidung. Damit stellt sich fast automatisch die Frage, wie der Rückweg aussieht und wo man sinnvoll einkehren kann.
Abstieg, Einkehr und die beste Tagesplanung
Der Abstieg beginnt am Vorderen Tajakopf mit steilem, alpinem Gelände und führt zunächst über Schrofengelände hinunter zur Coburger Hütte. Von dort aus gibt es mehrere Varianten zurück ins Tal, unter anderem über den Hohen Gang, über die Bergstation der Ehrwalder Almbahn oder über den Immensteig. In der Praxis bedeutet das: Der Tag ist nicht mit dem Erreichen des Gipfels vorbei, sondern bleibt bis zuletzt anspruchsvoll. Das sollte man bei der Zeitplanung genauso ernst nehmen wie die Kletterpassage selbst.
Ich halte eine Einkehr an der Coburger Hütte oder, je nach Route und Tagesform, an der Seebenalm für sehr sinnvoll. Nicht als Luxus, sondern als logistischer Puffer. Wer dort noch sauber essen, trinken und die Beine sortieren kann, steigt meist besser und sicherer ab. Gerade bei langen Touren ist die Hütte nicht nur Pause, sondern Teil der Sicherheitsstrategie.
Wenn ich die Tour selbst plane, würde ich früh starten, den Gipfel nicht auf Biegen und Brechen anpeilen und am Nachmittag genug Reserve für den Rückweg lassen. Die Tajakante belohnt gute Planung sehr deutlich, bestraft aber Zeitdruck fast ebenso klar. Deshalb lohnt es sich, vor dem Start noch einmal genau auf die letzten Details zu schauen.
Was ich vor dem Start an der Tajakante noch einmal prüfe
Vor dieser Tour gehe ich gedanklich immer dieselbe kleine Liste durch: Wetterentwicklung, Startzeit, Trinkmenge, Zustand der Gruppe und die reale Erfahrung auf D/E-Steigen. Wenn nur ein Punkt wackelt, verschiebe ich lieber. Das ist kein übervorsichtiges Verhalten, sondern die logische Folge einer Route, die lang ist, keinen Notausstieg bietet und in steilem alpinen Gelände endet.
- Ist das Wetter stabil genug für einen langen Tag? Besonders Gewitter, Nebel und Schneereste sind problematisch.
- Reicht die Kondition auch noch für den Abstieg? Nicht nur für die Ferrata selbst.
- Ist die Gruppe wirklich auf dem gleichen Niveau? Unterschiedliche Geschwindigkeiten kosten hier schnell viel Zeit.
- Sind Wasser, Verpflegung und Ausrüstung vollständig? Auf dieser Tour ist Improvisation ein schlechter Plan.
- Gibt es genug Zeitreserve? Wer spät startet, verliert auf einer langen Grattour die wichtigste Sicherheitsmarge.
Für mich ist die Tour dann richtig, wenn Anspruch und Tagesform zusammenpassen. Dann wird aus der Tajakante kein Pflichtprogramm, sondern eine der eindrucksvollsten alpinen Ferraten in der Tiroler Zugspitz Arena. Wenn diese Bedingungen nicht stimmen, würde ich ohne Zögern auf eine kürzere oder weniger ausgesetzte Route ausweichen.
