Leichengasse am Mount Everest - Warum die Toten bleiben

Friedbert Kopp • 21. Oktober 2026
Zeltstadt am Mount Everest: Eine "Leichengasse" aus bunten Zelten auf eisigem Terrain, mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund.

Inhaltsverzeichnis

Wer am Mount Everest über 8.000 Meter steigt, bewegt sich in einer Höhe, in der selbst kleine Fehler lebensgefährlich werden. Deshalb bleiben manche verstorbene Bergsteiger jahrelang oder dauerhaft an den Routen liegen. Ich erkläre, warum die sogenannte Leichengasse am Mount Everest entstanden ist, welche bekannten Fälle dahinterstehen und weshalb eine Bergung oft gefährlicher wäre als der Verbleib am Berg.

Warum die Leichen am Everest bleiben

  • Todeszone nennt man meist den Bereich oberhalb von 8.000 Metern, in dem der Körper dauerhaft nicht überleben kann.
  • Eine Bergung erfordert oft mehrere hoch spezialisierte Sherpa und kann die Retter selbst in Lebensgefahr bringen.
  • Am Everest starben seit Beginn der Besteigungen mehr als 300 Menschen; die genaue Zahl der noch am Berg liegenden Körper ist nicht zuverlässig dokumentiert.
  • Schätzungen von etwa 200 verbliebenen Leichen kursieren, sollten aber als Näherung und nicht als exakte Statistik verstanden werden.
  • Die bekannten Fälle von Green Boots und Hannelore Schmatz zeigen, wie stark sich die Wahrnehmung des Berges verändert, wenn Tote zu Orientierungspunkten werden.

Menschenschlange am Mount Everest, eine

Was mit der Leichengasse am Mount Everest gemeint ist

„Leichengasse“ ist kein offizieller Name, sondern eine drastische Bezeichnung für besonders häufig begangene Hochgebirgsrouten am Everest. Gemeint sind vor allem Abschnitte oberhalb des Südsattels und auf der Nordroute, an denen Bergsteiger an gefrorenen Körpern vorbeikommen können. Der Begriff beschreibt keine durchgehende Reihe von Leichen, sondern die bedrückende Erfahrung, dass Tote in der Nähe der Aufstiegswege liegen.

Der Mount Everest ist 8.848,86 Meter hoch. Ab ungefähr 8.000 Metern beginnt die sogenannte Todeszone. Dort beträgt der Luftdruck nur noch etwa ein Drittel des Wertes auf Meereshöhe, wodurch jeder Atemzug deutlich weniger Sauerstoff liefert. Auch gut akklimatisierte Menschen verlieren dort Kraft, Konzentration und Koordinationsfähigkeit.

Für mich ist wichtig, den Begriff nicht sensationsheischend zu verwenden. Hinter jedem Körper steht ein Mensch mit Familie, Geschichte und eigenen Gründen für den Aufstieg. Die Leichengasse ist deshalb weniger eine bizarre Sehenswürdigkeit als ein sichtbares Zeichen dafür, dass am höchsten Berg der Erde selbst eine Rettung nicht immer möglich ist.

Warum Verstorbene nicht einfach ins Tal gebracht werden

Auf normalen Wanderwegen wäre die Bergung eines Toten eine schwierige, aber lösbare Aufgabe. Am Everest beginnt das Problem dort, wo jede zusätzliche Minute in großer Höhe die Leistungsfähigkeit der Helfer schwächt. Ein Körper kann durch Eis, Kleidung und Ausrüstung sehr schwer und steif sein. Auf schmalen Graten, vereisten Steilstufen oder in Spalten lässt er sich nicht wie eine gewöhnliche Last bewegen.

Die Todeszone lässt kaum Reserven

Oberhalb von 8.000 Metern arbeitet der menschliche Körper bereits im Grenzbereich. Sherpa-Bergführer können durch Erfahrung, Akklimatisation und Training außergewöhnliche Leistungen erbringen, aber auch sie sind dort nicht unverwundbar. Eine Bergungsmannschaft muss dieselbe Höhe und dieselben Gefahren aushalten, die zum Tod des ursprünglichen Kletterers geführt haben.

Besonders riskant ist der Rückweg. Die Helfer müssen den Körper sichern, abseilen, über Leitern oder Fixseile bewegen und dabei oft gegen Wind, Kälte und wechselnde Schneeverhältnisse arbeiten. Ein Fehler kann nicht nur den Leichnam, sondern mehrere Mitglieder des Teams gefährden.

Hubschrauber helfen nur begrenzt

Viele Leser denken zuerst an eine Bergung per Hubschrauber. In der Nähe des Basislagers und in tieferen Höhen ist das teilweise möglich. In der Todeszone fehlt der Luft jedoch die nötige Dichte, sodass ein Hubschrauber dort normalerweise nicht einfach schweben und eine Last aufnehmen kann.

Selbst moderne Rettungshubschrauber sind deshalb kein universelles Mittel. Die Wetterlage, die Höhe, die Sicht und die Beschaffenheit des Geländes entscheiden über den Einsatz. Ein Hubschrauber kann eine schwierige Bergung unterstützen, aber die oberen Routen nicht in einen normalen Rettungsbereich verwandeln.

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Kosten und Organisation sind weitere Hürden

Eine Bergung braucht ein Zeitfenster mit stabilem Wetter, erfahrene Hochträger, zusätzliche Sauerstoffflaschen, Seilmaterial, Funkgeräte und eine logistische Kette bis nach Kathmandu. Je nach Höhe und Lage werden in Berichten etwa 20.000 bis 200.000 US-Dollar genannt. Einen festen Einheitspreis gibt es nicht, weil jeder Einsatz anders verläuft.

Für Familien ist das eine enorme Belastung. Eine Versicherung kann bestimmte Kosten übernehmen, doch das hängt vom Vertrag, der Todesursache, den Ausschlüssen und der vereinbarten Rettungshöhe ab. Ich würde deshalb jedem Expeditionsinteressierten raten, die Bedingungen vor der Reise schriftlich prüfen zu lassen und nicht nur auf den Begriff „Bergung inklusive“ zu vertrauen.

Bekannte Fälle wie Green Boots und Hannelore Schmatz

Der bekannteste Körper am Everest ist vermutlich Green Boots. Der Name geht auf die auffälligen grünen Bergstiefel eines Bergsteigers zurück, dessen Körper lange Zeit in einer Felshöhle an der Nordroute lag. Über Jahre wurde die Stelle von Kletterern als Orientierungspunkt wahrgenommen. Die genaue Identität wurde unterschiedlich bewertet, weshalb man bei eindeutigen Aussagen vorsichtig bleiben sollte.

2026 wurde erneut über Pläne berichtet, den Körper von Green Boots zu bergen. Das zeigt, dass solche Einsätze auch Jahrzehnte später möglich werden können, wenn sich politische, finanzielle und organisatorische Bedingungen ändern. Es bedeutet aber nicht, dass jede bekannte Leiche erreichbar oder eine Bergung automatisch verantwortbar ist.

Auch Hannelore Schmatz, die 1979 am Everest starb, wurde lange mit dem Bild einer Bergsteigerin verbunden, deren Körper nahe einer viel begangenen Route sichtbar war. Solche Geschichten prägen das öffentliche Bild des Berges besonders stark. Gleichzeitig dürfen sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Opfer in Spalten, unter Schnee oder weit abseits der Standardroute liegen und nie zu einem bekannten Namen werden.

Der Ausdruck „Wegmarke“ klingt harmlos, ist aber problematisch. Ein Mensch wird dadurch sprachlich zu einem Bestandteil der Route. Ich finde es angemessener, von einem verstorbenen Bergsteiger zu sprechen und die Orientierung höchstens als Folge der Situation zu beschreiben, nicht als eigentliche Funktion des Körpers.

Wie Bergungen tatsächlich ablaufen

Eine seriöse Bergung beginnt nicht mit dem Abtransport, sondern mit einer Risikoanalyse. Die Verantwortlichen prüfen, ob der Körper lokalisiert ist, wie steil das Gelände ist, ob Fixseile vorhanden sind und ob die Route gerade sicher begangen werden kann. Die Entscheidung gegen eine Bergung kann dabei die verantwortungsvollere Entscheidung sein.

  1. Lokalisieren und identifizieren des Verstorbenen, soweit Wetter, Schnee und Sicht das erlauben.
  2. Genehmigungen und Finanzierung mit Familie, Expeditionsveranstalter und zuständigen Behörden klären.
  3. Akklimatisiertes Spezialteam zusammenstellen, meist mit erfahrenen Hochgebirgsträgern und medizinischer Unterstützung.
  4. Transport sichern, etwa durch Seile, Tragegurte, Abseiltechnik oder das vorsichtige Freilegen aus Eis und Schnee.
  5. Abstieg in Etappen organisieren, bevor der Körper in niedrigeren Lagern an die Behörden übergeben wird.

Im Jahr 2024 barg die nepalesische Armee im Rahmen einer größeren Aufräumaktion mehrere Körper aus der Everest-Region. Solche Kampagnen verbinden Umweltschutz, Sicherheitsinteressen und die Rückgabe der Verstorbenen an ihre Familien. Sie sind jedoch kein Beweis dafür, dass die höchsten und gefährlichsten Fundorte regelmäßig erreichbar wären.

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, jede gefundene Leiche als sofort bergbar zu betrachten. Ein Körper in 7.000 Metern Höhe kann unter Umständen erreichbar sein, während wenige hundert Höhenmeter weiter oben bereits völlig andere Bedingungen herrschen. Lage, Wetterfenster und Zustand der Route zählen mehr als die reine Entfernung zum Basislager.

Was die Leichengasse für Bergsteiger und Trekker bedeutet

Wer nur zum Everest-Basislager wandert, kommt normalerweise nicht an den bekannten Leichen der Gipfelroute vorbei. Das Basislager liegt auf der nepalesischen Seite bei ungefähr 5.364 Metern und ist ein anspruchsvolles Trekkingziel, aber nicht mit der Besteigung des Gipfels gleichzusetzen.

Die Begegnungen mit Toten betreffen hauptsächlich Bergsteiger, die über die Hochlager und die Gipfelroute aufsteigen. Wer eine Expedition plant, sollte sich darauf mental vorbereiten, ohne die Situation zu romantisieren. Ein Körper kann plötzlich sichtbar werden, teilweise vom Schnee bedeckt oder in Ausrüstung eingeschlossen. Respekt, Abstand und ein Verzicht auf makabre Fotos gehören für mich zur grundlegenden Bergethik.

Situation Typische Herausforderung Praktische Konsequenz
Everest-Basislager Höhenanpassung, Wetter, Gletscher und große Menschenmengen Keine normale Gipfelroute und meist keine Begegnung mit den bekannten Körpern
Hochlager bis etwa 8.000 Meter Extreme Kälte, Erschöpfung, Lawinen und begrenzte Rettungsmöglichkeiten Umkehrentscheidungen früh treffen und niemals auf Hilfe vertrauen, die nicht garantiert ist
Todeszone oberhalb 8.000 Meter Sehr wenig Sauerstoff, schnelle körperliche Verschlechterung und hohes Absturzrisiko Aufenthalt so kurz wie möglich halten und feste Umkehrzeiten strikt einhalten

Die wichtigste Lehre ist nicht, sich an den Leichen zu orientieren, sondern sie als Warnsignal zu verstehen. Wenn jemand in dieser Höhe nicht mehr selbstständig absteigen kann, wird aus einer schwierigen Lage sehr schnell ein tödlicher Notfall. Akklimatisation, konservative Zeitplanung und die Bereitschaft zur Umkehr retten eher Leben als zusätzliche Ausrüstung allein.

Warum sich das Bild vom Everest verändert

Die Leichengasse steht für einen grundlegenden Konflikt im modernen Bergsport. Der Everest ist gleichzeitig ein heiliger Berg, ein anspruchsvolles Naturziel und ein kommerziell organisierter Expeditionsort. Je mehr Menschen die Standardrouten nutzen, desto sichtbarer werden auch die Folgen von Unfällen, Überfüllung und unzureichender Vorbereitung.

Die nepalesische Armee und lokale Organisationen entfernen inzwischen nicht nur Müll, sondern bei geeigneten Bedingungen auch menschliche Überreste. 2024 wurden im Everest-Gebiet im Rahmen einer Kampagne mehr als 11 Tonnen Abfall und fünf Körper geborgen. Das ist eine wichtige Entwicklung, darf aber nicht mit einer vollständigen Räumung des Berges verwechselt werden.

Hinzu kommt der Klimawandel. Schmelzendes Eis kann Körper, Ausrüstung und alte Unfallstellen freilegen, die jahrzehntelang verborgen waren. Für Angehörige kann das eine neue, schmerzhafte Gewissheit bedeuten. Für Expeditionen entstehen zusätzliche Sicherheits- und Dokumentationsaufgaben.

Ich sehe deshalb zwei gleich wichtige Ziele. Verstorbene sollten geborgen werden, wenn dies mit vertretbarem Risiko möglich ist. Gleichzeitig darf kein Bergungsteam sein Leben aufs Spiel setzen, nur um den Eindruck einer vollständig kontrollierbaren Bergwelt zu erzeugen.

Die wichtigste Regel bleibt der rechtzeitige Rückzug

Die sogenannte Leichengasse ist kein eigener Ort und keine touristische Attraktion, sondern das Ergebnis extremer Höhe, schwerer Unfälle und begrenzter Rettungsmöglichkeiten. Viele Körper bleiben dort, weil eine Bergung zu gefährlich, zu teuer oder technisch nicht machbar ist. Die Zahl der verbliebenen Leichen lässt sich nur schätzen, weil Schnee, Eis und neue Unfälle die Situation ständig verändern.

Für den Klettersport bleibt die praktische Konsequenz klar. Wer am Everest oder an einem anderen Achttausender unterwegs ist, sollte Umkehrzeiten, Akklimatisation, Wetterfenster und die eigene Erschöpfung höher bewerten als Gipfelehre und Gruppendruck. Der Gipfel ist ein Ziel, aber der sichere Abstieg ist der eigentliche Abschluss jeder Besteigung.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Oberhalb von 8.000 Metern schwächt die Todeszone selbst gut akklimatisierte Helfer. Der Transport über Steilstufen, Fixseile und vereiste Grate ist extrem riskant und kann mehrere Bergsteiger gefährden. Deshalb kann der Verbleib am Berg verantwortungsvoller sein als eine Bergung.

Je nach Höhe und Lage werden etwa 20.000 bis 200.000 US-Dollar genannt. Erforderlich sind unter anderem ein stabiles Wetterfenster, erfahrene Hochträger, zusätzliche Sauerstoffflaschen, Seilmaterial, Funkgeräte und eine organisierte Transportkette bis nach Kathmandu.

Normalerweise nicht. Das Basislager auf der nepalesischen Seite liegt bei etwa 5.364 Metern und ist vom Gipfelaufstieg zu unterscheiden. Begegnungen mit Körpern betreffen hauptsächlich Bergsteiger auf den Hochlagern und den Gipfelrouten.

Green Boots bezeichnet den Körper eines Bergsteigers mit auffälligen grünen Bergstiefeln, der lange Zeit in einer Felshöhle an der Nordroute lag. Die genaue Identität wird unterschiedlich bewertet. Der Körper wurde über Jahre als Orientierungspunkt wahrgenommen, obwohl diese Bezeichnung den Verstorbenen sprachlich unangemessen auf eine Wegmarke reduziert.

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Autor Friedbert Kopp
Friedbert Kopp
Mein Name ist Friedbert Kopp und ich habe fünf Jahre Erfahrung im Bereich Outdoor-Abenteuer, Reisen und Ausrüstung. Meine Leidenschaft für die Natur und das Entdecken neuer Orte hat mich dazu inspiriert, meine Erlebnisse und Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Ich finde es faszinierend, wie wichtig die richtige Ausrüstung für ein gelungenes Abenteuer ist und wie sie den Unterschied zwischen einem unvergesslichen Erlebnis und einem misslungenen Ausflug ausmachen kann. In meinen Artikeln schreibe ich über verschiedene Aspekte des Reisens und des Outdoor-Lebens, von den besten Wanderwegen bis hin zu nützlichen Tipps zur Ausrüstung. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen sorgfältig zu prüfen und verständlich aufzubereiten, damit sie für jeden zugänglich sind. Ich möchte, dass meine Leser nicht nur gut informiert sind, sondern auch inspiriert werden, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

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